2026年8月14日掲載 − HOME − Online-Kurse − Krieg und Frieden − Rede eines Oberschlüers aus Fukushima
Oberschüler aus Fkushima, wir brauchen weder Atomwaffen noch Kernenergie

Am 06. 08. 2026 fand anläßlich des Hiroshima-Jahrestages an der Friedensglocke im Volkspark Friedrichshain in Berlin die Gedenkveranstaltung für die Abschaffung von Atomwaffen statt (Organisator: Friedensglockengesellschaft Berlin e. V.). Daran nahmen 7 Oberschülerinnen und -schüler aus Fukushima teil und als Vertreter der Schpler:innen hielte Schüler WATAWABE, Kenshin eine Rede. Hier wird der Text seiner Rede ins Deutsch übersetzt veröffentlicht. Die Schüler:innen waren im Rahmen des Deuschlandporjektes des japanischen Organisators NPO EarthWalkers in Berlin.


rede an der Friedensglocke
Vor der Friedensglocke spricht Oberschüler aus Fukushima WARANABE, Kenshin (Foto: von EarthWalkers zur verfügung gestellt)

Guten Tag!

Sehr geehrte Damen und Herre, liebe Anwesende.


Ich heiße WATANABE, Kenshin aus der Präfektur Fukushima.


Ich bin zum ersten Mal in Deutschland, aber Deutschland ist für mich ein besonderes Land, das ich ganz nah finde. In jeder Kirschblütensaison habe ich von meiner Oma über die Kirschbäume in Berlin gehört.


Meine Oma besuchte 1989 Westdeutschland. Durch diese Reise hat ihr das Land, in dem sie zum ersten Mal war, herzlich sehr gut gefallen. Die wunderbare Natur und schöne Blumen auf dem Balkon haben sie tief beeindruckt.


1989 war auch das historische Jahr, in dem die Berliner Mauer gefallen ist.
Nach der Rückkehr nach Japan hat sie mit den an der Reise teilgenommenen Frauen 20 Kirschsetzlinge nach Berlin geschickt.


Das war ein Geschenk in der Hoffnung auf die Vereinigung und den Frieden.
Für meine Oma bedeuteten Blüten nicht nur die Schönheit, sondern sie verbinden uns auch miteinander und sie weisen den Wunsch auf Frieden auf.


Ihr Wohnort Iitate ist ein schönes Dorf mit viel Natur.
Dort hat man ein spezielles Wort “Madei”


“Madei” bedeutet emsig, nach Herzenslust, treu oder höflich.
Ich liebe das Wort sehr, da in diesem Wort das Gefühl enthalten ist, dass man nicht nur sich selbst, sondern auch Fremde respektiert.


Aber die Nuklearkatastrophe 2011 hat das friedliche Leben auf dem Dorf total verändert. Alle Einwohner:innen aus dem Dorf mussten evakuiert werden, da es dort durch die freigesetzten radioaktiven Stoffe stark kontaminiert war.


Damals wohnten dort insgesamt 8 Familienangehörige mit Großeltern, Urgroßmutter und der Familie meines Onkels zusammen. Sie mussten getrennt in verschiedenen Orten wohnen.


Meine Uroma war vorher noch so fit, dass sie Fahrrad fahren konnte. Doch in der ungewohnten Umgebung erkrankte sie an Demenz und konnte nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Sie ist in einem Pflegeheim gestorben.


Mein Opa hatte sich darauf gefreut, nach seiner Pensionierung wieder Landwirtschaft zu betreiben und als Bauer ein ruhiges Leben zu führen. Doch erst im vergangenen Jahr, 14 Jahre später nach der Nuklearkatastrophe, konnte er endlich wieder mit dem Reisanbau beginnen. Eigentlich hätte er sich seinen Traum schon viel früher erfüllen können. Die verlorenen 14 Jahre kann er niemals zurückholen.


In dem Dorf Iitate zog ein Ehepaar auf seinem eigenen Maulbeerfeld 2,000 Kirschbäume auf. Das Ehepaar hat es trotz des harten Zufluchtslebens nie aufgegeben.


Während des sechsjährigen Zufluchtslebens ist das Ehepaar mehrmals zum Dorf zurückgefahren, um die Kirschbäume im Sinne des Madeis aufzuziehen. In dem menschenleeren Dorf haben sie weiter ruhig Kirschbäume gezüchtet. Meine Oma hat ihnen ehrenamtlich geholfen..


Irgendwann hatten sie dort mehr als 3,000 Kirschbäume. Die Kirschbäume nannte man “das Band der Dorfbewohner:innen und die Kirschbäume des Wiederaufbaus”. Sie waren nicht nur Bäume, sondern auch das Symbol der Hoffnung.


1989 ist die Berliner Mauer gefallen. Danach haben meine Oma und die damals nach Westdeutschland mitgereisten Frauen gemeinsam nach Berlin Kirschbäume der Hoffnung geschickt. In jedem Frühling müssen in Berlin viele Kirschbäume auf dem ehemaligen Mauerstreifen blühen. Auch auf dem Dorf Iitate sieht man an den 3,000 Kirschbäumen die Blüten.


Die Kirschbäume übermitteln eine Botschaft an uns.
Nämlich, wir können Katastrophen überwinden.
Wir können Trennungen überwinden.
Auch nach der Trauer können wir Hoffnungen schöpfen.


Das ist die Kraft von “Madei”, glaube ich.


Ich will als Enkelkind meiner Oma mit Ihnen die Seele von “Madei” aus Fukushima teilen. Emsig sein, viel Zeit in Anspruch nehmen, treu und höflich sein.
Und gegenseitig respektieren.


Wenn man solche Kleinigkeiten immer wieder durchmacht, kann man eine bessere Zukunft schaffen.


Eine freundliche Zukunft, eine hoffnungsvolle Zukunft, eine friedliche Zukunft.


Als Oberschüler, der in Fukushima geboren wurde und aufgewachsen ist, möchte ich Ihnen aus der Realität, die ich selbst mit eigenen Augen miterlebt habe, mit voller Überzeugung sagen: In einer wirklich friedlichen Welt brauchen wir weder Atomwaffen noch Kernenergie.


In Berlin, so weit von Japan entfernt, findet jährlich so eine große Veranstaltung für die Abschaffung von Atomwaffen statt. Ich kann kein Wort finden, wie tief bewegt und dankbar ich bin.


Die Kraft eines einzelnen Menschen mag zu gering erscheinen, aber wenn die Wünsche und das Handeln vieler einzelner Menschen zusammengebündelt werden, entsteht daraus eine sehr große Kraft, die die Welt verändern kann.


Ich, Oberschüler, der in Fukushima geboren wurde und dort aufgewachsen ist, will möglichst vielen Menschen weiter vermittlen alles, was ich selbst miterlebt, empfunden und gelernt habe.


Wir wollen alle gemeinsam aktiv werden, um eine friedliche Zukunft ohne Atomwaffen zu realisieren.


Danke schön!


(14. 08. 2026)
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Friedensglockengesellschaft Berlin e. V. (deutsch)
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